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Stärker als die Angst

 Hi allerseits. Ich bin der Andi und ich schreibe das hier, weil ich euch etwas mitteilen möchte, das mir schon lange auf der Seele liegt. Bevor ich mit dem Bujinkan Budo Taijutsu Training anfing, lebte ich von Tag zu Tag ohne Plan. Die Tage wurden irgendwann trist und grau. Ständig kämpfte ich mit Bildern aus meiner Vergangenheit und ich wäre bald daran zerbrochen. Daraufhin bin ich zu einem Psychologen gegangen und nach ein paar Gesprächen kam ich zu dem Entschluss mir ein Hobby zu suchen, das mir Spaß macht. Da ich schon immer von Kampfsport begeistert war, fragte ich Tante Google nach einem geeigneten Verein. So stieß ich auf die Homepage des Wakagi Dojo Lauf a. d. Pegnitz. Am ersten Tag, an dem ich ins Dojo kam, habe ich noch nicht mit gemacht, sondern habe nur zugesehen, um die Atmosphäre zu spüren.  Ich war früher ein Opfer von Mobbing und deshalb einfach vorsichtig. Vor meinem ersten Besuch hatte ich mir überlegt ob ich überhaupt hin gehen soll, weil die Angst so groß war, dass mein ganzer Körper gezittert hat. Irgendwann aber brachte ich den Mut auf und ging hin. Es war wie ein Kampf mit mir selbst, der sich vor jedem Training wiederholt hatte. Ein halbes Jahr ging das so. In dieser Zeit habe ich viel erlebt, ich hatte meine erste Prüfung zum 10. Kyu bestanden, habe bei meinem erstes Embu (Vorführung) mitgewirkt. Bei diesem Embu wurde ich auf spielerische Art mit einer Handtasche erschlagen und dann zu Grabe getragen. Auch wenn es merkwürdig klingen mag, wurde an diesem Tag tatsächlich etwas zu Grabe getragen, meine Angst. Was lustig klingt, hatte für mich eine große Bedeutung. Der spielerische Schlag mit der Handtasche, war ein Befreiungsschlag für mich und mit jedem weiteren Erlebnis in jener Zeit, wurde ich lockerer. Kurz nach meiner bestandenen Prüfung zum 9. Kyu war ich bei einem der größten Seminare, die es im Jahr 2017 in Deutschland gab. Ich war beim Seminar mit Furuta Sensei und mit mir mehr als 400 Menschen aus aller Welt. Vor dem Seminar musste ich wieder mit mir Kämpfen. Doch als das Seminar vorbei war und ich wieder ins normale Training ging hatte ich keine Angst mehr, denn auch dieses große Ereignis hatte ich gemeistert. Dennoch erinnere ich mich oft daran, was ich durch machen musste, aber ich kann jetzt viel besser damit umgehen, denn ich habe etwas, das ich früher nicht hatte. Freunde. Freunde, die mich unterstützen und für mich da sind. Das war wohl mein Ziel als ich nach einem Verein gesucht habe. Ich suchte mehr als einen Sport. Jetzt wo ich so weit gekommen bin kann ich mir ein Leben ohne das Bujinkan und das Wakagi Dojo Lauf nicht mehr vorstellen. Mein Leben hat sich zum Guten gewendet. Dafür möchte ich mich bei unserm großartigen Sensei Edmund Wasinger und allen Mitgliedern des Wakagi Dojos Lauf bedanken.

 

 

Andreas W. 6. Kyu

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Kommentare: 2
  • #1

    Dino Gheri (Sonntag, 15 Dezember 2019 19:28)

    Hallo Andi,
    das hast Du sehr schön geschrieben. Danke, dass Du diese sehr persönlichen Erfahrungen/Gedanken mit uns geteilt hast.
    Ich freue mich auf die kommenden Jahrzehnte gemeinsamen Weges im Bujinkan.
    Ninpo ikkan.

    Dino

  • #2

    Ludmilla (Sonntag, 15 Dezember 2019)

    Hallo Andi,
    danke für deinen offenen Bericht. Mögen mit diesen sehr herzberührenden Zeilen viele junge Menschen motiviert werden, ihren Weg zu suchen und zu finden. Einen Weg der einen zu sich selber führt und die wahren Werte des Lebens erkennen lässt. Auch mir hat eine östliche Sportart in meiner Jugend den Weg zum rechten Leben gewiesen. Gerade heute habe ich bei einem Spaziergang durch den Wald meinem 4 jährigen Enkel davon erzählt und ihm ein paar typische Bewegungen gezeigt :-).